Goetheanistische Naturwissenschaft und Anthroposophie
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Unter Goetheanismus verstehen wir die an Goethe sich anschließende naturwissenschaftliche Erkenntnismethodik. Sie basiert auf Naturwissen, das durch exakte Beschreibung der sinnlich wahrnehmbaren und durch apparative Hilfen untersuchbaren Vorgänge und Gegenstände der Natur entsteht, bleibt aber nicht im Beschreiben und Sammeln der Fakten stehen. Goethes Methodik geht über die vorwiegend analytische Stoffbearbeitung dadurch hinaus, dass der Forscher bemüht ist, den objektgemäßen Zusammenhang zu entdecken, aus dem sich die einzelnen Phänomene verstehen lassen. Dadurch wird der Forscher in den Erkenntnisvorgang mit einbezogen, was seine systematische Schulung bedingt. Er stellt sein Denken, sein miterlebendes Fühlen und sein Handeln dem Forschungsobjekt angemessen zur Verfügung. Er bestimmt also nicht inhaltlich, z.B. durch seine Gedanken das Objekt (im Sinne einer Theorie), sondern bringt seine Denkfähigkeit so ein, dass der naturgegebene Zusammenhang bewusst wird. Dabei wird er sich zugleich des gesamten Vorgangs, also seiner geistigen Tätigkeit und des naturgegebenen geistigen Inhaltes bewusst. Dies hat Goethe (Maximen und Reflektionen Nr. 364) folgendermaßen formuliert:
"Alles was wir Erfinden, Entdecken im höheren Sinne nennen, ist die bedeutende Ausübung, Betätigung eines originalen Wahrheitsgefühls, das, im Stillen längst ausgebildet, unversehens, mit Blitzesschnelle zu einer fruchtbaren Erkenntnis führt. Es ist eine aus dem Innern am Äußern sich entwickelnde Offenbarung, die den Menschen seine Gottähnlichkeit vorahnen lässt. Es ist eine Synthese von Welt und Geist, welche von der ewigen Harmonie des Daseins die seligste Versicherung gibt."
Eine erste Einsicht ist also, dass der Entdecker ein geistiges Wesen ist, das mit dem waltenden Göttlich-Geistigen, das das Forschungsobjekt hervorgebracht hat, verwandt ist. Dieses Selbstbewusstseinserlebnis, ein geistiges Wesen zu sein, wird im Schulungsweg der Anthroposophie, der zum realen Erkennen der wirksamen geistigen Welt führen soll, aufgegriffen.
Durch meditative Arbeit wird das Selbstbewusstseinserlebnis verstärkt. Ist dies genügend fortgeschritten, dann kann sich ein zweites Erlebnis daran anschließen. Es wird bemerkbar, wenn sich der Forscher handelnd, entwickelnd betätigt. Neben dem Bewusstsein, das sich auf die Verrichtung bezieht, kann der Forscher bemerken, dass ihn ein innerer Antrieb zur Ausbildung und Verbesserung seiner Fähigkeiten begleitet. Die Ursache für diesen inneren Antrieb liegt, wenn andere Motive ausgeschlossen werden können, in der realen Begegnung mit einer geistigen Außenwelt. Das Ergebnis ist, dass sich die Entwicklungsarbeiten der Menschen in den für eine gesunde und nachhaltige Entwicklung der Welt notwendigen Strom eingliedert. |