Jahresversammlung

Bericht Jahresversammlung 2010Breites Interesse an integrativer Krebstherapie mit MistelpräparatenCarl Gustav Carus-Institut präsentiert Forschung
Nach einer repräsentativen Studie der Universität Köln von 2007 mit über 1.000 Befragten bevorzugen mehr als 80% aller Deutschen natürliche Arzneimittel. Nur 11,5% entscheiden sich bewusst für ein chemisch definiertes Medikament als Wunsch für die primäre Behandlung im Krankheitsfall. Dieser positiven Grundeinstellung gegenüber natürlichen Arzneimitteln ist es sicherlich zuzuschreiben, dass der öffentliche Forschungstag des Carl Gustav Carus-Instituts in der Klinik Öschelbronn breiten Zuspruch fand.
Das Krebsforschungs-Institut zeigte am Samstag, den 24. April 2010 den Stand der Misteltherapie und die gemeinsam mit der Klinik aufgebaute Dokumentation der Krebsbehandlung in der integrativen Onkologie. Schwerpunkt der Veranstaltung war die pharmazeutische Forschung zur Misteltherapie.
Frau Dr. Roselies Gehlig beschrieb in ihrem Eingangsreferat den ganzheitlichen Ansatz, den das Forschungsinstitut seit seiner Gründung konsequent verfolgt. Die Einsicht, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, hat sich nicht nur in der integrativen Krebstherapie bewährt. Die von Goethe praktizierte ganzheitliche Forschungsmethode ist Vorbild und Anregung für die Institutswissenschaftler. So werden Pflanzenfamilien mit Heilpflanzen im Hinblick auf ihre Besonderheiten in der Gestaltbildung untersucht, um ein Verständnis der Pflanzenbildung und ihrer Heilwirkung wissenschaftlich fundiert zu erarbeiten. Studien zur menschlichen Knochenbildung schaffen einen Hintergrund für das Verständnis der Krankheitsentstehung, insbesondere der Krebserkrankung. Forschungen zu den Triterpenen, Bestandteilen des „Mistelleims“, zeigen hochinteressante pharmakologische Wirkungen, die derzeit präklinisch untersucht werden. Außerdem werden durch neuartige Verfahren liposomale Arzneimittel erzeugt, die nach dem Vorbild menschlicher Zellen oder Vesikel Arzneistoffe einbinden und in Tumoren oder Metastasen anreichern können. Das Institut kooperiert eng mit den Universitäten Karlsruhe und Freiburg und bietet Fachvorlesungen zu seinen Spezialgebieten an. Die Institutsforschung ist gemeinnützig und wird durch private Spender und Stiftungen unterstützt. Verschiedene Forschungsprojekte werden aufgrund der wissenschaftlichen Anerkennung auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.
Heinrich Brettschneider, Internist und Mitarbeiter des Forschungsinstituts, stellte dar, welche Bedeutung ein tieferes Verständnis der menschlichen Schlafphasen für ein ganzheitliches Verständnis der Krebserkrankung und der Therapieansätze hat.
In einem Abendvortrag gab Dr. Rolf Dorka einen Überblick zur Mistel und ihren Besonderheiten, die sie als Arzneipflanze für die Therapie der Krebserkrankung auszeichnen. Sein spezielles Arbeitsgebiet ist die Chronobiologie. Durch Untersuchungen der rhythmischen, mehrtägigen Pendelbewegungen ihrer jungen Triebe und einer rhythmischen Abgabe von Duftstoffen während der Blütezeit konnte eine weitere tumorwirksame Substanzgruppe gefunden werden. Diese Stoffe, die man aufgrund ihrer erstmaligen Entdeckung im Jasmin als „Jasmonate“ bezeichnet, werden in der Mistel in stark überproportionaler Weise als Pflanzenhormon gebildet. |